{"id":104,"date":"2024-07-01T22:05:52","date_gmt":"2024-07-01T20:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=104"},"modified":"2024-07-16T12:33:44","modified_gmt":"2024-07-16T10:33:44","slug":"text-birgit-poppe-bilder-vom-wasser","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=104","title":{"rendered":"Text Birgit Poppe &#8211; BILDER VOM WASSER"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-right is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-765c4724 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-outline is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=65\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>Birgit Poppe: Ludmilla von Arseniew \u2013 Bilder vom Wasser<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWasser&#8220; ruft vielf\u00e4ltige Assoziationen hervor, die eng mit der Natur verkn\u00fcpft sind: weites Meer, lange Fl\u00fcsse und Kan\u00e4le sowie gro\u00dfe und kleine Seen, Teiche und T\u00fcmpel, die in die Landschaft eingebettet sind. Farblich verbindet der Betrachter Wasser mit Blau, Gr\u00fcn oder Grau, doch eigentlich ist das erfrischende Nass eher transparent und glasklar oder tr\u00fcb. Der homogene Stoff kann sich aus einzelnen Tropfen zusammensetzen, spiegelglatte Fl\u00e4chen bilden oder sich in wildbewegten Wellen offenbaren. Wasser pl\u00e4tschert, rauscht oder tost, handelt es sich doch prim\u00e4r um eine Fl\u00fcssigkeit, die ihren variablen Aggregatzustand in vielerlei Gestalt ver\u00e4ndern kann &#8211; in Dunst oder Nebel, in Regen und Schnee.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Aspekte dieses Ph\u00e4nomens dokumentiert die Ausstellung \u201eBilder vom Wasser&#8220; der D\u00fcsseldorfer K\u00fcnstlerin Ludmilla von Arseniew (geb. 1939 in Wilna\/Litauen), die sich seit 1995 auf dieses komplexe Thema konzentriert. Bei den Werken handelt es sich in erster Linie um Acryl-Bilder auf Leinwand und Papierarbeiten verschiedener Techniken, wie Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen aus den Jahren 1995-2002. Inhaltlich sucht die K\u00fcnstlerin immer die direkte Konfrontation mit dem Wasser, indem sie interessante Perspektiven und \u00fcberraschende Ausschnitte w\u00e4hlt, mal im Charakter traditioneller Landschaftsbilder, mal in Form fast schon abstrakt anmutender Wasserfl\u00e4chen. Doch auch wenn die Titel verraten, dass es sich um topografisch genau bestimmte Landschaftsausschnitte handelt, wie beispielsweise im Falle Venedigs, wo in \u201e(Lagunen-Schw\u00fcle) steht&#8220; (2000) die Stadtsilhouette noch zu erahnen ist, so ist doch das zentrale Motiv das Wasser, das die Bildfl\u00e4che bestimmt. Beinhalten Bilder vom Wasser auf den ersten Blick etwas Allgemeing\u00fcltiges, so als sei Wasser \u00fcberall dieselbe Materie, demonstrieren die Darstellungen letztendlich doch etwas Individuelles bzw. f\u00fcr die Region Typisches, sei es in Italien das Venezianische Wasser (\u201eVenedigwasser sehr hell&#8220;, 2001) oder \u201eArno-Flu\u00df&#8220; (1997), in Frankreich die Seine (\u201eSeine-Licht&#8220;, 2001) oder in Holland das Meer (\u201eZeeland-Zyklus&#8220;, 1999\/2000).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilder vom Wasser der Ludmilla von Arseniew sind immer als Gratwanderung zwischen Gegenst\u00e4ndlichkeit und Abstraktion zu verstehen. In leichtem und doch bewusst akzentuiertem Pinselduktus, mal glatt und mal wirbelig, mal statisch und mal schwingend, gibt die K\u00fcnstlerin in ihren Bildern und Zeichnungen diese Ph\u00e4nomene als unendliche Farbfelder wieder, die in ihrem eigenen Rhythmus als exquisite Form- und Farbgef\u00fcge weit \u00fcber die Realit\u00e4t hinausweisen. Reales erscheint vermischt mit Surrealem, Gegenst\u00e4ndliches mit Abstraktem. Im Kontrast zu ihren farbintensiven Werken gestaltet Ludmilla von Arseniew zarte und filigrane Zeichnungen in unterschiedlicher Technik. In \u201eKanalwasser&#8220; (2000) benutzt sie f\u00fcr ihre weiche Linienf\u00fchrung einen japanischen Schreibpinsel und entwickelt damit eine pr\u00e4gnante Kurzschrift. Mit Filzstift und Tintenroller skizziert sie fl\u00fcchtige Linien und Chiffren in \u201eWasser bis zum Horizont&#8220; (2000) und in \u201eAufgeregtes Wasser&#8220; (2001). Allen Werken gemeinsam ist die freie Linienf\u00fchrung, mal abgesetzt, mal durchgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist beim Bildaufbau stets die Dominanz der Horizontallinien, die sich schon in Ludmilla von Arseniews fr\u00fchen Werken, besonders in den \u201eWolkenbildern&#8220; der 70er Jahre finden. In den Bildern vom Wasser ist der Horizont oft ein wie mit dem Lineal gezogener Strich, der die Wasserfl\u00e4che vom Himmel trennt. Manchmal werden die Horizontallinien nun aber von strengen Vertikalen oder Diagonalen abgel\u00f6st. Helle Flecken, die die lichten Spiegelungen auf dem Wasser wiedergeben, formieren die Bildzentren, von denen das Auge angezogen wird. Sie setzen Akzente in die Fl\u00e4chen der Meere, Seen oder Fl\u00fcsse. Sich organisch entfaltende Sonnenreflexe bilden strahlende Kontraste zur Dunkelheit und Tr\u00fcbe der Wassertiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu thematisiert die K\u00fcnstlerin das Wasser aber auch als Niederschlag, indem sie ihre Leinw\u00e4nde in ganz unterschiedlicher Manier mit Regentropfen oder Schneeflocken (\u201eSchneefallen&#8220;, 1999 und \u201eSchneien&#8220;, 2001) \u00fcberzieht. Denn perlt in \u201eRegen&#8220; (2001) das Wasser in Form von Tropfen von einer Fensterscheibe, so besitzen diese in \u201eRegnen (Meer)&#8220; (2001) differenzierte helle, ringf\u00f6rmige Konturen. Als Kontrast zu den Bildern vom Wasser ist in Gelb- und Oranget\u00f6nen die Darstellung der sonnendurchgl\u00fchten Bergw\u00fcste (\u201eLendas III&#8220;, 1999) entstanden, die ebenfalls spezielle akzentuierte Strukturen aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ludmilla von Arseniew schilderte schon immer ihre ganz pers\u00f6nliche Sicht auf Landschaften, Orte und elementare Gegebenheiten, denn, so sagt sie: \u201eIch male, was mich bewegt.&#8220; Die Themenwechsel waren meistens auch mit einem Handschriftenwechsel verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den fr\u00fchen \u201eFigurenbildern&#8220; (1965-67) gelangte sie schlie\u00dflich zur Landschaftsmalerei. In den \u201eWolkenbildern&#8220; (1967-79) setzte sich die K\u00fcnstlerin auch schon vor den Wasserbildern in weitgehend abstrahierter Form mit meteorologischen Ph\u00e4nomenen auseinander und verbildlichte mit der waagerechten, streifenf\u00f6rmigen Anordnung von Horizontlinien ihre Vorstellungen von Unendlichkeit, Grenzenlosigkeit und Allgemeing\u00fcltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgten in den Jahren 1979-85 die \u201eSt\u00e4dtebilder&#8220; von Venedig, Leningrad und Hamburg sowie 1985-90 die \u201eR\u00f6mischen Bilder&#8220;. Auf den R\u00fcckfahrten von Rom entdeckte Ludmilla von Arseniew das Markgr\u00e4fler Land als weitere Station f\u00fcr ihre Motivsuche. Dort interessierten sie vornehmlich die speziellen Strukturen innerhalb der Natur, eine an sich biologische Fragestellung, die sie jedoch ins K\u00fcnstlerische \u00fcbertrug. Ihre Intention war es, diese Strukturen aufzusp\u00fcren und sie in Formen umzusetzen, die zur Bildorganisation beitrugen. Nach dem Zyklus R\u00f6mische Bilder&#8220; folgte das Thema \u201eFelder&#8220;, wobei es sich zumeist um Weinfelder (\u201eWeinbergbilder&#8220; 1990-95) handelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eFeld&#8220; ist ein grundlegendes Element, das das Werk der Ludmilla von Arseniew durchzieht. Ein Feld versteht sie als grundlegende \u201eStrukturform der Bildorganisation&#8220; und meint damit nicht nur das sichtbare Ackerfeld, sondern ganz allgemein das aus der Physik bekannte Kraft- oder Energiefeld. Von der Koh\u00e4renz fester Strukturen ausgehend interessiert sich die K\u00fcnstlerin haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Konsistenz der fl\u00fcssigen Substanz, indem sie sich fragt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie kommt es, dass Wasser nicht auseinanderf\u00e4llt?&#8220; K\u00fcnstlerische Fragestellungen verkn\u00fcpft Ludmilla von Arseniew demnach mit naturwissenschaftlichen, wie hier physikalischen Erkenntnissen. Es ist also weniger das Wasser als Oberfl\u00e4che oder Reflex, das sie fasziniert, sondern das Ph\u00e4nomen Wasser als Wahrnehmung eines inneren Zusammenhangs. Sie will \u201eaufeinanderbezogene Wirkungen&#8220; darstellen, wie man sie von elektromagnetischen Feldern kennt. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist f\u00fcr Ludmilla von Arseniew der des \u201eWirklichkeitsfeldes&#8220;. In der Ausstellung \u201eFelder WASSER Felder (Reichsabtei Aachen-Kornelim\u00fcnster 1998) spielte aber auch bereits das Thema \u201eWasser&#8220; eine wichtige Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon viele K\u00fcnstler waren im Laufe der Kunstgeschichte fasziniert vom Bildmotiv des Wassers. Maler wie der Romantiker William Turner (1775-1851), der Impressionist Claude Monet (1840-1926) und der Expressionist Emil Nolde (1867-1956) widmeten sich in ganz unterschiedlicher Manier mit Vorliebe dem Farbenspiel und der Formenvielfalt des Wassers in der Landschaftsmalerei. Mag man bei Ludmilla von Arseniew aufgrund der Selektierung, der fehlenden Umrisse und der pastelligen Farbwahl zuerst an Monet als wichtiges Vorbild erinnert sein, handelt es sich bei ihren Bildern dennoch nicht um impressionistische Kunst, denn diese thematisiert rein visuelle Aspekte und bezieht sich prim\u00e4r auf die sichtbare Oberfl\u00e4che. Deshalb vermisst die K\u00fcnstlerin bei Monet die \u201espirituelle Tiefe&#8220;. Dagegen ist Ludmilla von Arseniew mehr von C\u00e9zanne \u00fcberzeugt, der zwar wie die Impressionisten die geschaute Wirklichkeit in Formen und Farben aufl\u00f6ste, dies aber mit dem \u201einneren Sehen&#8220; begr\u00fcndete, das eine zweite Schicht ber\u00fchrt und reflektiert. Wie C\u00e9zanne konzentriert sie sich auf die Form, denn \u201eFarbe ist f\u00fcr mich selbstverst\u00e4ndlich; Form dagegen nicht:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Form muss erarbeitet werden!&#8220; (Ludmilla von Arseniew).<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig fragt sie: \u201eWie kommen Formen zustande?&#8220; Aufgrund der Perspektive und der gewagten Ausschnitte meint man Ankl\u00e4nge an die moderne Malerei zu erkennen, dennoch handelt es sich hier nicht um Farbfeldmalerei. Auch wenn manche Werke der K\u00fcnstlerin schon abstrakt anmuten, bleibt sie dem realen Gegenstand treu, \u00e4hnlich wie C\u00e9zanne, bei dem der Bezug zur gegenst\u00e4ndlichen Welt, die er in Farben und Formen aufl\u00f6ste, trotz abstrahierender Momente erhalten blieb. Rein abstrakte Bilder &#8211; wie zum Beispiel die des sp\u00e4ten Wassily Kandinsky &#8211; formieren ihr eine zu artifizielle Welt. Gegen\u00fcber dieser K\u00fcnstlichkeit bevorzugt Ludmilla von Arseniew doch die Realit\u00e4t, denn auch ihre diversen Bildzeichen in Form von Chiffren sind keine Phantasieprodukte, sondern nehmen immer Bezug auf die sichtbare Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ideenwelt der Ludmilla von Arseniew entspringt nicht allein der Biologie und Physik, sondern auch der Philosophie &#8211; sie absolvierte ein Philosophie-Studium &#8211; und der Religion. Die K\u00fcnstlerin spielt mit der besonderen \u00c4sthetik des Wassers, indem sie in ihren Bildr\u00e4umen neue geistige Sph\u00e4ren erschafft. Werke wie \u201eDer Atem des Sees&#8220; (2000) oder \u201efast still&#8220; (2001) dr\u00fccken im Titel etwas Meditatives aus und verweisen auf Ruhe und Kontemplation. F\u00fcr Ludmilla von Arseniew spielt die Religion, vor allem die russisch-orthodoxe, eine wichtige Rolle, und sie betont den g\u00f6ttlichen Anteil an ihrem sch\u00f6pferischen Tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Malen ist f\u00fcr sie ein kontemplativer Akt, mit dem sie \u201ean der geheimnisvollen sch\u00f6pferischen Kraft Gottes teilnimmt&#8220; (Ludmilla von Arseniew). \u201eMalen ist beten&#8220;, beschreibt sie das Staunen, Erleben und Formulieren als Lobpreis und damit als entscheidenden Bestandteil ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit. Besonders das Bild der Seine \u201eSeine-Licht&#8220; (2001) bezieht sich mit seinen Wei\u00dfanteilen und Goldakzenten auf die Ikonenmalerei, zwar nicht motivisch, so jedoch mit seinem wei\u00dfen g\u00f6ttlichen Licht als sakrale Assoziation. Diese Bilder von Natur umgibt die spezielle Aura einer subjektiven Symbolik, die ohne den Menschen nicht denkbar ist. Eine Freundin der K\u00fcnstlerin fasste dies einmal so zusammen: \u201eIhre Bilder sind die Transzendierung der Natur durch den menschlichen Geist&#8220; (aus: Ludmilla von Arseniew, WEIN -berge -felder -st\u00f6cke, Zeichnungen, Markgr\u00e4fler Museum M\u00fcllheim\/Baden 1995).<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht Ludmilla von Arseniew also nicht um das rein Visuelle, sondern um die verschiedenen Tiefenschichten in ihren Bildern. Die \u201eBilder vom Wasser&#8220; sollen nicht Abbildungen zum Wiedererkennen sein, es ist vielmehr der k\u00fcnstlerische Versuch, die Schicht dahinter sichtbar zu machen, die Sicht auf etwas, das in der Oberfl\u00e4che nicht enthalten ist. Dabei ber\u00fccksichtigt Ludmilla von Arseniew s\u00e4mtliche Facetten sinnlicher Wahrnehmung, ob visuell, akustisch oder sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Licht spielt in ihren Bildern als Beleuchtungslicht keine Rolle, denn sie versteht es laut eigener Aussage als \u201eTiefenmesser&#8220;. Ihre Motive strahlen aus sich selbst heraus, sie senden ein eigenes Licht aus, das die K\u00fcnstlerin als \u201esakrales Leuchtlicht&#8220; (nach Wolfgang Sch\u00f6ne) bezeichnet. In diesem Zusammenhang entstanden die wei\u00dfen Bilder \u201eGlitzern&#8220; (2000) oder \u201eSwjerkanije (Glitzern)&#8220; (2002), die gl\u00e4nzend und glei\u00dfend in ihrer Wirkung sind. Die Streuung des Lichts formiert sich zu einem verwischten Ganzen, das in Klarheit erstrahlt, die Tr\u00fcbe der Wassertiefe durchdringt und so das Element Wasser deutlich sp\u00fcrbar macht. In \u201eLicht-Schneise&#8220; (2001) ist der Horizont extrem hoch angelegt und geht als schmale Linie in die Fl\u00e4che des Meeres \u00fcber Der Lichtreflex erscheint wie \u00fcber das dunkle Wasser gegassen und spitzt sich als dreieckiger Keil nach vor zu, wo er in kleine Striche zerf\u00e4llt. Durch diese differenzierte Streuung einer verstr\u00f6menden Lichtmaterie wird das Durchleuchten des Dunkels mittels heller Felder besonders deutlich. Dagegen zeigt das Werk \u201eLicht-Wellen&#8220; (2001) ein zartes, gr\u00fcn gelbliches, mit wei\u00dfen Linien durchzogenes Gespinst. Es ist ein bizarres Geflecht diagonal zerfaserter schwingender Linien mit Haupt- und Nebenadern.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201eEcho-Licht&#8220; (2000\/2001) wurden die Wellen als rhythmische Vertikale verwirklicht, als verwischte und ausgefranste Schw\u00fcnge, die parallel zueinander angeordnet sind. Immer wirken die Linien teils wie geordnet, teils wie zuf\u00e4llig und beliebig. Sie erscheinen schematisch und doch individuell.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt in den Bildern auch Hinweise auf bestimmte Tageszeiten, die ein entsprechendes charakteristisches Licht mit sich bringen, wie beispielsweise \u201eMorgenblick&#8220; (1998), \u201efr\u00fch grau&#8220; (2000) oder \u201eMittagsger\u00e4usche&#8220; (2000). Letzterer Titel bezeugt, dass Ludmilla von Arseniew auch akustische Signale mit dem Wasser verbindet, deren Schwingungsstrukturen sie in weiteren Werken wie \u201eH\u00f6ren und Sehen&#8220; (2000) oder \u201eH\u00f6rbild um 5.00 Uhr&#8220; (2000) beschreibt. Die K\u00fcnstlerin verbildlicht in ihren Werken musikalisches Denken, wenn sie die Farbt\u00f6ne der \u201eBilder vom Wasser mit den Klangfarben verschiedener Instrumente vergleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ludmilla von Arseniew nutzt ihre Farben Ton in Ton, gern schimmernd, schillernd oder in zarten Abstufungen, die oft mit Wei\u00df abgesetzt werden, denn auch ihre Farben sind lichthaltig. Das Dunkel und die Schatten werden ebenfalls in Farben \u00fcbersetzt. Verwendet werden ganz unterschiedliche Blaut\u00f6ne bis hin zu T\u00fcrkis, doch dominiert eindeutig Gr\u00fcn, mit Vorliebe ein bestimmtes feuriges Chromoxyd-Gr\u00fcn&#8220; wie in dem Bild \u201eAus der Mitte heraus&#8220; (2001), das von den Venedig-Aufenthalten inspiriert ist. Es zeigt die Stufen, die zu den Booten ins Wasser f\u00fchren und sich aufgrund der Algen gr\u00fcn gef\u00e4rbt haben. Dem Betrachter bietet sich die Ansicht einer intensiv gr\u00fcnen Farbfl\u00e4che, in deren Vordergrund zentral und Ton in Ton von Hellgelb bis Dunkelgr\u00fcn vier Querbalken als Stufenformen zu sehen sind. Viele der Meeresbilder besitzen keinen Horizont, sondern wirken als selbst\u00e4ndige Farbfelder. Ludmilla von Arseniew versteht die Farben ebenfalls als besondere energetische Kr\u00e4fte. Kleines Meer (blau) (1998) oder \u201eMeltemi-Meer&#8220; (2000) sind Farbfelder in verschiedenen Blaut\u00f6nen, mit etwas Wei\u00df abgesetzt. Hier werden die Naturelemente wiederum in Farblichtgewebe transferiert.<\/p>\n\n\n\n<p>So beschreibt Ludmilla von Arseniew anhand des Motivs Wasser phantasievolle Welten der Natur, die sich in ganz unterschiedlichen Zust\u00e4nden pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen und den st\u00e4ndigen Wechsel zum Programm machen. Die K\u00fcnstlerin thematisiert extreme Gegenpole wie Ruhe und Bewegung oder Ganzheit und Aufl\u00f6sung, und es entstehen ausgew\u00e4hlte Ausschnitte der Wirklichkeit, die sie stark abstrahiert und als in sich verwobene Farbmuster visualisiert. Verbindlich ist ihr dabei das Prinzip der Einmaligkeit, das sie mit ihren Werken belegen will, indem sie zeigt, dass nichts wiederholbar ist. Sie entwickelt aus Farben, die locker und durchl\u00e4ssig sind, Bilder, die Klares mit Diffusem verbinden. Es sind einerseits Momentaufnahmen, andererseits Dokumente der Ewigkeit. Die \u201eBilder vom Wasser* der Ludmilla von Arseniew strahlen eine Intensit\u00e4t aus, der man sich nur schwer entziehen kann, und erreichen eine Vertiefung der Empfindungen. Sie zielen auf die intensive Wahrnehmung verschiedener Tiefenschichten, die \u00fcber die blo\u00dfe Registrierung des Ph\u00e4nomens Wasser weit hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Birgit Poppe in Katalog `Ludmilla von Arseniew \u2013 Bilder vom Wasser\u00b4, St\u00e4dt. Galerie im Schlo\u00dfpark Str\u00fcnkede, Herne, 2002<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Birgit Poppe: Ludmilla von Arseniew \u2013 Bilder vom Wasser \u201eWasser&#8220; ruft vielf\u00e4ltige Assoziationen hervor, die eng mit der Natur verkn\u00fcpft sind: weites Meer, lange Fl\u00fcsse und Kan\u00e4le sowie gro\u00dfe und kleine Seen, Teiche und T\u00fcmpel, die in die Landschaft eingebettet sind. 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