{"id":116,"date":"2024-07-01T22:05:52","date_gmt":"2024-07-01T20:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=116"},"modified":"2024-07-20T12:22:16","modified_gmt":"2024-07-20T10:22:16","slug":"text-lva-moderne-kunst-was-ist-das","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=116","title":{"rendered":"Text LvA &#8211; Moderne Kunst was ist das"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-right is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-765c4724 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-outline is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/ludmilla-von-arseniew.de\/?page_id=65\">Zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>Ludmilla von Arseniew &#8211; \u201eModerne Kunst was ist das?&#8220;<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Diskussionsgrundlage f\u00fcr den 7.6. 1979, Franz-Hitze-Haus, M\u00fcnster, Katholisch-Soziale-Akademie<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage danach, was das ist, Moderne Kunst, ist bei n\u00e4herer Betrachtung ungl\u00fccklich gestellt. Sie verbirgt zwei andere Fragen, einmal die, was \u00fcberhaupt Kunst sei, woran man Kunst als Kunst erkennt,<\/p>\n\n\n\n<p>und<\/p>\n\n\n\n<p>die andere, wie das fragende Ich wohl einen unmittelbaren Zugang zu unbekannten, ungewohnten Kunstwerken finden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, wie sie im heutigen Thema gestellt wurde, suggeriert eine scheinbare Gewi\u00dfheit dar\u00fcber, was Kunst sei, und nur mit der modernen, da sei es fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Behauptung:<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine \u201emoderne&#8220; Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff des Modernen entstammt nicht der Geschichte der Kunst, sondern der Technik und der Mode. Der pragmatische Fortschrittsgedanke in der Vervollkommnung von technischen Ger\u00e4ten und Maschinen wird indessen gern auf Hervorbringungen des Geistes und der Kunst angewendet, auch von solchen, die sich K\u00fcnstler nennen. Das wird deutlich im Sprachgebrauch, von einem Produkt zu reden statt von einem Werk, von einer Arbeit statt von einer Zeichnung. Das verr\u00e4t eben nicht nur Bescheidenheit, sondern zeigt in der Sprache den Wandel der Auffassung. Es gibt aber diesen Fortschritt von technischer Vervollkommnung in der Kunst nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Tizian ist nicht perfekter als Giotto und C\u00e9zanne ist es nicht mehr oder weniger als Tizian. Sie sind verschieden. Sie geh\u00f6ren ungleichen historischen Situationen an und zeigen verschiedene, sichtlich m\u00f6gliche Anschauungen von Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir kulturpessimistisch unsere Gegenwart betrachten, sind wir geneigt, Vergangenheit, zumindest in ihren Kulturerzeugnissen, in vollkommenerem Licht zu sehen. Das liegt daran, da\u00df die Kunst vergangener Zeiten unser Weltbild geformt hat, in dem wir uns nun zurechtfinden. Die wesentlichen Faktoren der gegenw\u00e4rtigen Kunst kennen wir nicht, weil wir nicht voraussehen k\u00f6nnen, welche davon f\u00fcr die Zukunft wirksam werden. Wir haben Vorstellungen, Projektionen, doch sind diese ungewi\u00df im Hinblick auf ihre Wirkm\u00e4chtigkeit in der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst unter modischen Gesichtspunkten zu betrachten, als wechselnd, launisch, manipulierbar, machbar, erhellt die Kunst nicht in ihrem Wesen und bringt nichts f\u00fcr ihr Verst\u00e4ndnis ein. Die Triebkr\u00e4fte der Mode sind epigonal zum sch\u00f6pferischen Bewu\u00dftsein, sie sind illustrativ f\u00fcr zeitgeistbestimmte Auffassungen. Es gibt zwar \u00e4sthetische Erzeugnisse, die unter solchem Blickwinkel hergestellt, propagiert und ver\u00e4u\u00dfert werden, doch dieser Umstand tr\u00e4gt nur zur Verwirrung und Unsicherheit in der Beurteilung bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Kunst, und es gibt zeitgen\u00f6ssische Gegenwartskunst, d.h. Werke lebender, noch schaffender K\u00fcnstler, deren \u0152uvre nicht abgeschlossen ist. Ob diese gerade \u201eMode&#8220; sind, spielt f\u00fcr die Kunst an der Kunst keine Rolle, und an der Technik orientierter Fort- oder R\u00fcckschritt ist kein zutreffender Aspekt der Beurteilung.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Behauptung:<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ganz in der Ordnung, da\u00df wir zeitgen\u00f6ssische Kunst nicht ohne weiteres verstehen oder da\u00df die Zug\u00e4nge zu ihr beschwerlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentliche Frage mag also lauten: Wie finde ich Zugang zu einem Ding, das mir in vielen Aspekten unbekannt, ungewohnt, fremd und unzug\u00e4nglich ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine fremde Sprache zu erlernen, setzen wir viel Zeit, Methode, Lerneifer, Ged\u00e4chtnis, Denken, Phantasie ein, um uns Grammatik, Wortschatz, Redewendungen, Aussprache usw. anzueignen. Um ein fremdes Land kennenzulernen, machen wir eine Reise, eine l\u00e4ngere, lernen seine Sprache, seine Geschichte, seine Geographie, sprechen mit den Menschen, wohnen bei ihnen, begegnen t\u00e4glich offenen Auges der fremden Kultur in ihren verschiedensten \u00c4u\u00dferungen. Wir wundern uns \u00fcber Fremdes, Ungewohntes und suchen es zu verstehen. Nach Hause zur\u00fcckgekehrt wagen wir selten zu sagen, wir \u201ekennen&#8220; nun das Land. Wir haben nach l\u00e4ngerer, intensiver Besch\u00e4ftigung das deutliche Gef\u00fchl, da\u00df wir erst sehr wenig davon wirklich kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieviel Einsatz, wieviel Neugier, Mut, Kraft und Geld investieren wir, wenn wir etwas Unbekanntes ernsthaft kennenlernen wollen!<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein anderen Beispiel: Um ein Fu\u00dfballspiel zu begreifen, mu\u00df man die Spielregeln kennen, sonst ist das sehr grotesk, was sich f\u00fcr ein unwissendes Auge abspielt. Mit der Kenntnis der Spielregeln aber wird nicht nur der Sinn der Handlungen klar, sondern auch die Weise und Qualit\u00e4t des Spiels. Ein Urteil ist erst m\u00f6glich, wenn der Betrachter die Spielregeln kennt, ein Werturteil aber erst dann, wenn er sehr viele und vor allem gute Spiele gesehen hat und miteinander vergleichen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie merken, worauf die Beispiele hinauswollen:<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kunst, zumal in der noch nicht gel\u00e4ufigen, der neuen, ist es nicht anders als mit der Fremdsprache, als mit der Reise ins Ausland, als mit dem unbekannten Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen gibt es in jedem Werk der Kunst Spielregeln, deren Struktur nicht ohne weiteres durchschaubar ist. Man mu\u00df sie eben erst kennenlernen. Die Spielregeln wechseln mit dem Spiel. In der Entwicklung eines K\u00fcnstlers wechseln sie oft mehrfach innerhalb seines \u0152uvres. Es wird also n\u00fctzlich sein, nicht beim ersten Objekt kopfsch\u00fcttelnd aufzugeben, sondern sich so viele Werke wie m\u00f6glich von einem K\u00fcnstler anzusehen, ehe man eine Meinung versucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen bedarf es einer Reihe von Einstellungen und Haltungen, um das noch nicht Konvention Gewordene am Kunstwerk kennenzulernen, z. B.: Zuwendung, Offenheit, Neugier, Beobachtung, Ausdauer, Erlebnisbereitschaft, Geduld, Toleranz. Die Haltung des Betrachters sollte von der des hervorbringenden K\u00fcnstlers in vielen Aspekten gar nicht unterschieden sein. Zum Erlebnis von Kunst bedarf es sogar eines sch\u00f6pferischen Betrachters. Die Bereitschaft, offen f\u00fcr Unerwartetes zu sein, aufmerksam wahrzunehmen, steht am Anfang jeglicher Kunstbetrachtung. Neugier besagt, da\u00df Lust auf Neues, noch nicht Gewu\u00dftes und Gesehenes nicht als Zumutung erlebt wird, sondern als Ansporn, als Freude zur Erweiterung der eigenen Sicht. Da sich eine komplexe Wirklichkeit erst allm\u00e4hlich und nicht auf einen Blick erschlie\u00dft, werden detaillierte Beobachtung und Ausdauer n\u00f6tig sein, um ein Werk in allen seinen Teilen und als Ganzes \u00fcberhaupt erst einmal gesehen zu haben. Das dauert viel l\u00e4nger, als der durchschnittliche Betrachter meint. Erlebnisbereitschaft ist eine Voraussetzung, das Ungewohnte nicht nur zu registrieren, sondern sich rational und emotional zu eigen zu machen. Da das aber nicht immer dann m\u00f6glich ist, wenn wir wollen, brauchen wir Geduld, damit sich Offenheit, inneres Schweigen, Konzentriertheit, Aufnahmef\u00e4higkeit, Sensibilit\u00e4t \u00fcberhaupt einstellen k\u00f6nnen, ohne die wir nichts wirklich sehen und ohne die sich das Werk nicht vermitteln kann. Toleranz schlie\u00dflich erlaubt dem Betrachter und den Dingen (!) selbst mit sich identisch zu sein. Der Tolerante stellt seinen Eigenwillen zur\u00fcck und l\u00e4\u00dft Wirklichkeit auf sich wirken, ohne Ich-Einmischung, ohne Vorurteil. Der Tolerante ist gehorsam, er \u201eh\u00f6rt&#8220; statt selbst zu reden, d. h. er ist im Zustand des Aufnehmens, des Wahrnehmens.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diesen Einstellungen basiert die M\u00f6glichkeit, einen Zugang zum Wahrnehmbaren der Kunstwerke zu finden, ob es sich nun um ein historisches oder zeitgen\u00f6ssisches handelt. Wenn wir das alles in uns realisiert haben, bleiben oft noch viele Aspekte an einem Werk unverst\u00e4ndlich, und nicht nur am zeitgen\u00f6ssischen. Nur ein Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie im Prado in Madrid von Tizian folgendes auf einem 1,36 x 2,20 cm gro\u00dfen Bild sehen: links im Vordergrund ein elegant gekleideter Herr an einer Orgel sitzend, dreht sich schr\u00e4g \u00fcber seinen R\u00fccken ins Bild einer unbekleideten Dame zu, die auf einem, die ganze untere Bildh\u00e4lfte einnehmenden, pr\u00e4chtigen Lager dem Betrachter zugewandt, ausgestreckt ruht und mit ihrer Linken einen winzigen Hund streichelt. Ein gebauschter Vorhang \u00fcber ihrem Haupt gibt den Blick frei in eine gr\u00fcnende Parkanlage mit Springbrunnen, Pfau und Hirsch; &#8211; wenn also das an der zeitgen\u00f6ssischen Kunst ge\u00e4rgerte Auge nun noch die Farben, die Lichtsituationen, die r\u00e4umliche Darstellung, die Malweise und weitere Details an Tizians Gem\u00e4lde festgestellt hat, wird doch ungekl\u00e4rt bleiben, wozu sich dieses ungleiche Paar im Bilde begegnet und was sie vorstellen. Verstehen wird es nur der, dem ikonographische Bildmittel und allegorischer Bildsinn die Zusammenh\u00e4nge deutbar machen. Es ergibt sich aus solchem Vorwissen eine andere Wahrnehmung der Malerei und des Gemalten. Das Bild wird dann aus seinen formalen und farblichen Gegebenheiten lesbar und erlebbar als eine Ganzheit, die mehr ist als ihre analysierbaren Teile.<\/p>\n\n\n\n<p>Der bruchst\u00fcckhafte Zugang des Zeitgenossen erweist sich also auch an der \u201ealten&#8220; Kunst als unzureichend zum Verst\u00e4ndnis. Selbst das, was er glaubt zu erkennen, kann er nicht in Wahrheit erleben, da er nicht wei\u00df, wie er es wahrnehmen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen nur, was wir wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also nicht verwunderlich, wenn wir uns \u00fcber Jahrhunderte von Kunstentwicklung keine vertiefte Kenntnis verschaffen, da\u00df wir nur \u00e4sthetische Konvention gewordene Bruchst\u00fccke wahrnehmen, die sich f\u00fcr uns nicht zum sinnvollen Gebilde schlie\u00dfen. Was wir dann Kunst nennen, ist vielleicht doch ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Und das ist, wie wir an nur einem (1) Beispiel sahen, kein ausschlie\u00dfliches Problem der Gegenwartskunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wieso erwarten wir ohne Vorbereitung, ohne personalen Einsatz, Kunst m\u00fchelos zu verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Hin und wieder geschieht es ja, da\u00df wir wie von selbst von einem Bild anger\u00fchrt sind, da\u00df es uns unmittelbar einleuchtet. Das geschah immer, als Kunst aus magischen, aus mythischen Quellen hervorwuchs und der Mensch mit diesen ungeteilt verbunden war. Auf sie gerichtet schaute er im Werk die Gottheit. &#8211; In heutiger Sprache ausgedr\u00fcckt hei\u00dft das, Sender und Empf\u00e4nger m\u00fcssen den gleichen Code haben, sonst kann diese unmittelbare Verst\u00e4ndigung nicht stattfinden. Die Frage nach dem Was-Sein der modernen Kunst bezeugt die verlorene, zerbrochene, zerst\u00f6rte Identit\u00e4t von Subjekt und Objekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es steckt in der Frage: \u201eModerne Kunst was ist das?&#8220; eine auf unzureichender Seherfahrung und mangelndem Kunstwissen bauender Optimismus, einen zureichenden Begriff von der alten Kunst zu besitzen. Im oft touristischen Vorbeimarsch an Kunstwerken der Museen findet viel Verwechslung und Ersatz statt: Stillung dekorativer Bed\u00fcrfnisse, Registrierung von Ber\u00fchmtheiten, Verbl\u00fcffung vor der undurchschaubaren handwerklichen Fertigkeit, Genu\u00df am Artistischen, Reiz des Sensationellen, Zerstreuung und Abwechslung. Der im Werk anschaulich gewordene Geist der Kunst bleibt dabei oft unber\u00fchrt und unbemerkt.<\/p>\n\n\n\n<p>So stellt sich schlie\u00dflich die Frage, was denn dann Kunst \u00fcberhaupt sei &#8211; und diese Frage wissen wir nicht zu beantworten, ebensowenig wie die Frage, was Gott oder was das Leben sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben es mit einem Ph\u00e4nomen zu tun, dessen Wirkungen wir zwar erfahren und beschreiben k\u00f6nnen, dessen Sein in der Hervorbringung auch f\u00fcr den K\u00fcnstler Geheimnis ist; deshalb bed\u00fcrfen wir auch nicht der Antwort auf das, was Kunst sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieses Nicht-wissen-k\u00f6nnens, was Kunst ist, begegnen wir immer wieder Wertungen und werten selbst. Und diese Wertungen erweisen sich als bedingt, also als nicht absolut: historisch bedingt, geschmacksgepr\u00e4gt, zeitgeistabh\u00e4ngig, marktbeeinflu\u00dft, subjektiv, wechselnd, falsch, kurzsichtig usf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch wertet nur innerhalb einer vereinbarten Werteordnung, eines Gef\u00fcges, einer Hierarchie, also einer Skala von Werten, die aus seiner Weltanschauung w\u00e4chst, in diese eingeordnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn, wie wir seit etwa der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert beobachten m\u00fcssen, das Weltbild des abendl\u00e4ndischen Menschen sich in immer mehr divergierende Entw\u00fcrfe und Ideologien aufspaltet, kann es nicht ausbleiben, da\u00df auch die Verbindlichkeiten der Auffassungen von Kunst sich in ebenso viele Wertgef\u00fcge zergliedern. Das macht es schwer bis unm\u00f6glich, eine verbindliche, f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen g\u00fcltige Werteordnung f\u00fcr die Kunst zu behaupten, Auch deshalb bed\u00fcrfen wir in der Begegnung mit dem Unbekannten in der Kunst der Toleranz. Denn wir k\u00f6nnen nicht fordern, Kunst heute m\u00fcsse so und nur so sein, dies oder das leisten. Alle N\u00fctzlichkeitsaspekte, alle Funktionszuweisungen sagen etwas \u00fcber die Art des Umgangs mit der Kunst aus. Sie sind aber v\u00f6llig unbrauchbar zu ihrer Hervorbringung.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstwerke sind geschichtlicher Natur, wie alle unsere Hervorbringungen. Kein Werk steht au\u00dferhalb des Zusammenhangs seiner Zeit und vorangegangener Zeiten. Deshalb m\u00fcssen wir auch die Geschichte der Spielregeln kennen. &#8211; Darum ist die oft vom Laien so kurz und knapp gestellte Frage vor einem ihm unverst\u00e4ndlichen Objekt der Kunst, was denn das sei und bedeute, einfach nicht so schnell zu beantworten, weil die Antwort dann immer so umfassend ausholen mu\u00df, bis mit der versuchten Erkl\u00e4rung auch ein geistesgeschichtlicher Abri\u00df etwa der Form-Inhalts-Problematik die Antwort verst\u00e4ndlich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das ist nur der zweite Aspekt der Verst\u00e4ndnisbedingungen; der erste aber und der wichtigste ist die zuvor beschriebene Einstellung des intensiven, konzentrierten Wahrnehmenwollens; ist das Er-leben, das vor so einer Frage beim Betrachter meist nicht stattgefunden hat, oder ungeduldig und vorurteilsblockiert abgebrochen wurde, der Frage nach dem Bedeutungs-Was des Werks aber unbedingt vorausgehen mu\u00df, wenn Kunst nicht nur zum Transportmittel gelehrter Bildungsbeflissenheit in ihrer Wirkung schrumpfen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese intensive Wahrnehmung, diese erlebnishafte Aneignung ist die eigentliche Form der Kunstbegegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst ist ein geistiges Ph\u00e4nomen, das wir sinnlich auffassen. Deshalb m\u00fcssen Geist und Sinne wach und offen aufnehmen und begegnen. Kunst bringt in ihren Werken Anschauung von Welt durch die geistig-sinnliche Wahrnehmung der K\u00fcnstler hervor. Sie ist eine Erkenntnisform des menschlichen Geistes und somit Wandlungen unterworfen, denn keine unserer Erkenntnisse ist objektiv oder gar absolut. Objektiv nicht, weil wir alle Objekte nur als Wirkungen auf uns wahrnehmen, in Abh\u00e4ngigkeit von der Konstruktion unserer Wahr-nehmungsorgane, und absolut nicht, weil nie au\u00dferhalb der zusammenh\u00e4ngenden Bedingungen unserer Entw\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn K\u00fcnstler ihre Wahrnehmungserlebnisse in den vorgefundenen Darstellungsformen nicht mehr angemessen, erl\u00f6send zum Ausdruck zu bringen verm\u00f6gen, dann suchen sie nach neuen Formen. Das ist zun\u00e4chst mal nichts so Besonderes. Denn jeder Mensch kennt in irgendeinem Bereich das Ungen\u00fcgen, die Unzufriedenheit mit von ihm benutzten Weisen des Ausdrucks, wenn er z. B. \u00fcbererf\u00fcllt von etwas Erlebtem ist und merkt, da\u00df alles an ihm verf\u00fcgbaren Ausdrucksweisen dieses, was in ihm so m\u00e4chtig wirkt, nicht auszusagen vermag. Er ist erst erleichtert, zufrieden, wenn es ihm gelingt, seinen, das Erlebte fassenden Ausdruck zu finden. Dieses Bed\u00fcrfnis der Erneuerung, das die Kunst realisiert, ist ein Bed\u00fcrfnis nach Authentizit\u00e4t, nach Identit\u00e4t von Inhalt und Form, ein Bed\u00fcrfnis \u201ewahrer&#8220; zu sein, als es in den bew\u00e4hrten Formen m\u00f6glich ist. Das Neu-sagen, Neu-zeigen, Neu-sicht-barmachen in der Kunst birgt in sich die Hoffnung auf Leben, Leben, das sich auszeichnet durch Wandel, durch Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sagen er-leben und meinen Leben neu erfahren, weil wir uns so schnell gew\u00f6hnen, anpassen. Das hei\u00dft, die Frische einer Einsicht wirkt nur so lange bewegend in uns, setzt uns in Gang, solange sie nicht unser Besitz ist, solange sie nicht feste Konvention ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch bedarf seiner Natur nach eines Ma\u00dfes an Konvention, an Gew\u00f6hnung, an Feststehendem, um nicht vor den wechselnden Erscheinungen in \u00c4ngsten verlorenzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und er bedarf der Erneuerung, damit seine Lebenskr\u00e4fte nicht absterben. Er bedarf der Verwandlung, weil sonst die Vielfalt und der Sinn seiner M\u00f6glichkeiten ihm selbst abhanden kommen. Die Kunst und der K\u00fcnstler antworten auf dieses Bed\u00fcrfnis der Erneuerung, der Verwandlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wandlung ist ihr Material, ist ein Teil ihres Verm\u00f6gens und ein Ma\u00dfstab f\u00fcr ihre Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erneuerung in der Kunst betrifft Technik, Form, Inhalt, Bedeutung, alle Teile zusammen oder je einzeln, je nach Notwendigkeit. Der Wandel mu\u00df als von innen Notwendig erfahren werden, ehe er wirklich geschehen kann. Notwendig hei\u00dft, es mu\u00df ein Mangel, ein Leiden, eine Not vorausgehen, die gewendet werden will.<\/p>\n\n\n\n<p>Formenwandel allerdings, der ohne dieses innerste Bed\u00fcrfnis, zu oft, zu schnell, willk\u00fcrlich probiert wird, reduziert sich zum Reiz und erzeugt Frustration, weil nicht der erhoffte Wandel, sondern nur Variation, also etwas Quantitatives stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wandel aber ist die Neuerschaffung von Qualit\u00e4t, das Hervorbringen von Eigenschaften, die bis dahin nicht im Blick, nicht in der Wirklichkeit waren. Da\u00df zum Erleben dieser Erneuerung im Kunstwerk eine ihr \u00e4hnliche Intensit\u00e4t, Bereitschaft, Aufmerksamkeit, Konzentration geh\u00f6rt, d\u00fcrfte nun nicht mehr als \u00dcberforderung empfunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt noch eine Vermutung zu behandeln, da\u00df es im Kern der Frage nach dem Was der \u201emodernen&#8220; Kunst vielleicht um den Gegenstand ihrer Darstellung geht, um die Gegenst\u00e4ndlichkeit n\u00e4mlich, deren zeitweiliges Verschwinden manchen Betrachter entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird immer noch vielf\u00e4ltig angenommen, da\u00df es stets \u201eAufgabe&#8220; der Kunst, der K\u00fcnstler war, optische Realit\u00e4t auf der Fl\u00e4che seiner Darstellung abzubilden, &#8211; Wir sehen aber auf keinem Bild prim\u00e4r Inhalte, d. h. eindeutige Bedeutungen, sondern zun\u00e4chst einmal Formen und Zeichen. Und unser Gehirn deutet sie als Gleichnis f\u00fcr dies oder das. Wir erlernen als Kinder das herrschende Repertoire an Zeichen und ihre Bedeutung. Aber am Spiel von Kindern beobachten wir auch die grundlegende menschliche F\u00e4higkeit, einem Zeichen, einem Ding beliebige Bedeutung zuzuordnen. F\u00fcr das Kind sind Zeichen und Dinge Material, das im spielenden Umgang wechselnde Deutung erf\u00e4hrt, wodurch es lernt, sich Wirklichkeit und eben nicht die Dinge selbst anzueignen. Erwachsene, die l\u00e4ngst dieses Verm\u00f6gen als irritierend abgelegt haben, verbessern denn auch das Kind, indem sie sagen, da\u00df eben jenes Ding nur ein Holzl\u00f6ffel sei und nicht, wie das Kind sagt, eine Puppe oder ein Hund. Was die sch\u00f6pferische Potenz angeht, hat jedoch das Kind recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Vexierbildern und optischen T\u00e4uschungen z. B. wissen wir, da\u00df Zeichen mehr- oder vieldeutig sein k\u00f6nnen, da\u00df Formen nicht ein f\u00fcr alle Male nur das und nichts anderes bedeuten. Zudem sind alle Zeichen geschaffen und nicht au\u00dferhalb des Menschen vorgefunden. Was wir als diesen oder jenen Gegenstand wiedererkennen auf einem Bild, ist das Ergebnis einer Konvention gewordenen Zeichenfolge, die wir gelernt haben als diesen bestimmten Inhalt zu lesen. Zur Orientierung in der Welt der Erscheinungen ist solches eindeutiges Interpretieren n\u00fctzlich und notwendig, und je komplexer und komplizierter die Beziehungen der Wirklichkeitsaspekte werden, um so mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der K\u00fcnstler benutzt die Mehrdeutigkeit der Zeichen, die er vorfindet oder schafft, um sich und seine Erlebnisse verschiedenster Art authentisch und neu auszudr\u00fccken. Der K\u00fcnstler kann ausw\u00e4hlen und spielend \u00e4ndern, was und wie er will. Er kann Zeichen verwenden, die tradiert sind, er kann solche verwenden, die als inhaltlich interpretierbare gelesen werden k\u00f6nnen, er kann Zeichenumst\u00e4nde schaffen, die eindeutig oder zweideutig sind oder mehrdeutig bleiben und den Betrachter so veranlassen, sich in ihre Komplexit\u00e4t einzusehen. Er kann Zeichen erfinden, die keine etwas darstellenden oder bestimmte inhaltliche Assoziationen erm\u00f6glichen. &#8211; Kasimir Malewitsch z. B. beeintr\u00e4chtigte die pragmatische Bindung der Farbe und Formen an eine Darstellungsfunktion, wie sie ihm die europ\u00e4ische Malerei zeigte, in seinen Vorstellungen von der reinen Malerei. Er sah die Kunst gleich der sich hervorbringenden Natur, die nichts nach irgendwelchen \u00e4sthetischen Prinzipien nachbildet oder aus zweckdienlichen Interessen formt. In diesem Sinn der sich-nicht-Gegenstand-seienden Natur wollte er die reine, das hei\u00dft gegenstandsfreie Kunst verwirklichen. Er entwarf eine Utopie, in der der nicht wertende Gehorsam gegen\u00fcber dem Sein, die wirkende aber nicht wertende Liebe, der Zustand des reinen Glaubens die reine Kunst hervorbringt. Das schwarze Quadrat auf wei\u00dfem Grund war eine Gestalt dieses Denkens. Dieses Beispiel zeigt einen Grund f\u00fcr die Gegenstandslosigkeit, n\u00e4mlich die erstrebte Zweckfreiheit der Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00fcnstler handelt aus Gr\u00fcnden und Anl\u00e4ssen, mit Vorstellungen und mit Zielen, im Zustand der Konzentration oder der Kontemplation, der Beobachtung oder des Tr\u00e4umens. Sehr viele verschiedene verursachende Antriebe kann es geben. Ob einer davon zur \u201ehohen&#8220; Kunst, zu der Art von Gebilden f\u00fchren wird, die noch Jahrhunderte sp\u00e4ter unseren Geist bewegen und in denen wir unsere Welt erkennen, kann niemand im Augenblick ihres Ent-stehens sagen, auch der K\u00fcnstler nicht. Er kann \u00fcberzeugt sein, aber nicht vorwissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er mu\u00df \u00fcberzeugt sein, sonst kann er nichts tun. &#8211; Ich zitiere mich selbst: \u201eDes K\u00fcnstlers Schaffen ist erst dann richtig begonnen, wenn er nichts will, absichtslos sich hingibt an die Ganzheit der Wirklichkeit&#8230; in sich die Welt wiederklingen l\u00e4\u00dft, weil er eine Art Instrument ist, das, in Schwingung versetzt, Bilder \u00fcber diese Welt erzeugt. Je reiner die Resonanz im K\u00f6rper, in der Person, &#8230; um so mehr &#8211; im Sinne von wahr &#8211; wird Kunst herausklingen.&#8220; (Die Freiheit der Kunst, M\u00fcnster 1976)<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst macht Welt sichtbar, offenbart Welt, sie verwandelt Wirklichkeit und verkl\u00e4rt sie, sie schafft Welt als Wirklichkeit. Deshalb kann blo\u00dfe Reproduktion, nur optische Abbildung nicht ihre Bestimmung sein und ist es auch nie gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kunstbegriff hat sich in der Geschichte der Menschheit vielfach gewandelt. Es gab ihn als Begriff weder immer noch \u00fcberall. Und doch begegnet uns das Ph\u00e4nomen bereits in den pr\u00e4historischen H\u00f6hlenmalereien. Auch die Abgrenzung zwischen Kunst und Kult ist schwer zu ziehen. Das wird z. B. deutlich am Verst\u00e4ndnis und der Funktion der Ikone.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden je nach Weltanschauung unsere Anschauung von Welt &#8211; und umgekehrt &#8211; bilden und danach versuchen zu sagen, was Kunst sei und was nicht. Eine Methode, Wirklichkeit und Welt hervorzubringen, ist das Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Spiel schafft der Mensch seine eigene Welt. Im Spiel erzeugt er neue Wirklichkeit. Im Spiel sieht er die Dinge in neuen Zusammenh\u00e4ngen, im Spiel ordnet er den Dingen neuen Sinn zu. Im Spiel w\u00e4chst er \u00fcber seine Kr\u00e4fte hinaus, im Spiel verwandelt er sich selbst. &#8211; Das Spiel hat keinen Zweck und Nutzen zum Ziel, aber es hat selbstgegebene Regeln, nach denen es Gestalt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df Spiel als Unterhaltung bezeichnet wird im unbedachten Sprachgebrauch, zeigt bei n\u00e4herem Bedenken der Wortbedeutung \u201eUnterhalten&#8220;, da\u00df es sich um eine existentielle Dimension handelt, welche im Begriff Lebensunterhalt etwa, aufdeckt, da\u00df Unterhaltung das Gegenteil von Zerstreuung ist; n\u00e4mlich etwas zur Dauer des Menschenlebens Geh\u00f6riges, etwas die Existenz in sich Sammelndes, etwas das Leben Tragendes und Erneuerndes, etwas, das offenbar im Gegensatz zur Arbeit steht, die eine anscheinend unumg\u00e4ngliche, aber nicht Leben verwirklichende Weise menschlicher Existenz ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus solcher \u00dcberlegung wird Spiel zur ureigensten Art und Weise des k\u00fcnstlerischen, des sch\u00f6pferischen Verhaltens, in welcher Welt in ihrem Wesen angeeignet und aussaugbar wird. Die Freiheit des Menschen, seine W\u00fcrde, seine Bestimmung gar realisiert er im Spiel und nicht in der Arbeit. Auch wenn es nicht im Bewu\u00dftsein ist, vieles, vielleicht das meiste unserer sozialen, kulturellen und religi\u00f6sen Handlungen hat Spielstruktur als Ursprung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung z. B., sich durch Kunst zu verewigen, mag daher r\u00fchren, da\u00df der Mensch im Spiel, in der Kunst sein Wesen erf\u00e4hrt, den Vorschein seiner Vollkommenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt nat\u00fcrlich schlechte Spieler, schwache Spieler, Spielverderber, Falschspieler, Zweckspieler. Sie schm\u00e4lern, verdrehen oder zerst\u00f6ren die sch\u00f6pferische Kraft und die Qualit\u00e4t des Spiels. Die Ziel- und Zweckfreiheit des Spiels als seiner Wesensbestimmung ist die gleiche in der Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle N\u00fctzlichkeitsaspekte, die sich aus Gebrauch und falschem Gebrauch der Kunst ergeben, engen den Spielcharakter ein und behindern die wirkende Kraft der Kunst. In der Kunst der Gegenwart ist der Spielcharakter vorherrschend. Woran das liegt zu ergr\u00fcnden, f\u00fchrt in ein weiteres, f\u00fcr heute abend zu weites Feld.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche, die Hauptgedanken stichwortartig zusammenzufassen:<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine \u201emoderne&#8220; Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ganz folgerichtig, da\u00df Gegenwartskunst schwer zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Erlebnisbereitschaft, Offenheit, Geduld und Toleranz sind Voraussetzungen von Kunsterfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Werk hat Spielregeln, die der Betrachter kennenlernen mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Betrachter sieht nur, was er wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbare Kunsterfahrung setzt Identit\u00e4t von Subjekt und Objekt voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Kunst zu begegnen, brauchen wir nicht zu wissen, was sie ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Intensive Wahrnehmung, erlebnishafte Aneignung ist die eigentliche Form der Kunstbegegnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werten innerhalb vereinbarter Wertordnungen, die aus unserer Weltanschauung wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst pr\u00e4gt unsere Weltanschauung, sie bringt Anschauung von Welt hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kunst wird Anschauung von Welt immer dann neu gesagt, wenn konventionelle Formen das Gemeinte nicht mehr zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen oder konventionelle Inhalte nicht mehr die F\u00fclle der Erfahrungen fassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst verwirklicht not-wendigen Wandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst bew\u00e4hrt Leben als Verwandlung, als Erneuerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gegenstand der Kunst ist die Wahrheit, nicht aber die Blumenvase, also nicht ein Ding der Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeichen sind vieldeutig, und sie sind nicht die bezeichnete Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Kunst bestimmt der K\u00fcnstler das Ma\u00df der Mehrdeutigkeit seines Zeichengef\u00fcges.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erweist sich mit der Zeit als Kunst, was unsere Welt zur Wirklichkeit und unsere Wirklichkeit zur Welt dauerhaft gewandelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Methode, Wirklichkeit und Welt hervorzubringen, ist das Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Spiel hat existentielle Dimension.<\/p>\n\n\n\n<p>Spiel erzeugt Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Spiel ist die ureigenste Art k\u00fcnstlerischen Verhaltens.<\/p>\n\n\n\n<p>Spiel hat wie die Kunst keinen Zweck und kein Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fcnter Grote, Die Grundlagen der Kunst, Vorlesung an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf, 1974 zu Spiel: Dr. A. Backhaus, Gedankensammlung zur Kunst, Hamburg, 1960<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludmilla von Arseniew &#8211; \u201eModerne Kunst was ist das?&#8220; Diskussionsgrundlage f\u00fcr den 7.6. 1979, Franz-Hitze-Haus, M\u00fcnster, Katholisch-Soziale-Akademie Die Frage danach, was das ist, Moderne Kunst, ist bei n\u00e4herer Betrachtung ungl\u00fccklich gestellt. 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